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Archiv - Neues

12.03.2014

WEG-Forscher ausgezeichnet


WEG-Jungforscher weiter in der Erfolgsspur

WINNWEILER: Zwei Gruppen des Wilhelm-Erb-Gymnasiums qualifizieren sich bei Jugend forscht und Schüler experimentieren fürs Landesfinale – Ein zweiter Platz

Auch 2014 knüpfen die Nachwuchswissenschaftler des Wilhelm-Erb-Gymnasiums Winnweiler bei den Wettbewerben Jugend forscht (ab 16 Jahren) und Schüler experimentieren (bis 15 Jahre) nahtlos an die Erfolge der vergangenen Jahre an: Bei den Wettbewerben auf regionaler Ebene haben die Zwölftklässler Jonas Opp, Jonathan Kreilaus und Julian Merkel sowie die Neuntklässler Pascal Grabowsky und Nils Stumpf in ihrer Kategorie jeweils Platz eins belegt und sich damit für den Landesentscheid qualifiziert. Sehr gute Zweite in ihrer Sparte wurden die Zehntklässler Julian Kroll und Johannes Pöhls. Die erforschten Themen der Schüler aus der „Talentschmiede“ der betreuenden Lehrerin Doris Bertleff-Lutz: Schweine, Möbel und Blumenerde.

Überspitzt ausgedrückt, ist für Jonas Opp, Jonathan Kreilaus und Julian Merkel inzwischen der Schweinestall ihr zweites Zuhause: Wie mehrfach berichtet, hatte das Trio für den Jugend-forscht-Wettbewerb 2012 in monatelanger Arbeit eine Maschine zur Eindämmung des Kannibalismus bei Schweinen entwickelt. Denn stehen diese auf engem Raum beisammen, knabbern sie sich aus Langeweile häufig gegenseitig die Schwänze beziehungsweise Ohren an oder beißen sie sogar ab und fügen sich dabei erhebliche Verletzungen zu. Diese können sogar zum Tod der Schweine führen, weshalb häufig Antibiotika eingesetzt werden muss. Gemäß EU-Tierschutzgesetz werden zwar zur Ablenkung der Tiere in den Ställen einfache „Spielzeuge“ – wie Holzstücke oder Ketten – angebracht, die den Spieltrieb befriedigen und die Tiere vom Schwanzbeißen abhalten sollen. Das Problem: Die Schweine verlieren an dieser eintönigen Beschäftigung relativ schnell das Interesse.Die drei 18-Jährigen hatten deshalb anhand ihrer Beobachtungen bei zahlreichen Besuchen im Schweinestall des Hofgutes Neumühle sowie in vielen Stunden Heimarbeit ein Gerät konzipiert, dass regelmäßig das Spielzeug – eine Kette, ein Schlauch, ein Eimer und eine Dachlatte – wechselt. Damit wollten sie den Kannibalismus bei Schweinen eindämmen und zugleich das inzwischen zwar verbotene, aber von vielen Haltern heute noch praktizierte Kupieren der Schwänze überflüssig machen. Das Ergebnis: Die Maschine hat tatsächlich bewirkt, dass die Schweine länger spielen. Ihr Experiment hatte den Rockenhausenern Merkel und Opp sowie dem Gerbacher Kreilaus nicht nur den zweiten Platz bei Jugend forscht auf Landesebene, sondern auch den rheinland-pfälzischen Tierschutzpreis für 2012 und damit ein gehöriges Medieninteresse beschert.

Was die Jungwissenschaftler damals noch nicht nachweisen konnten: Wird auf diese Weise auch tatsächlich der Kannibalismus bei Schweinen reduziert? Dazu haben die Zwölftklässler einen stark verbesserten Prototypen entwickelt, der die Spielzeuge automatisiert wechselt, und mit einer neuen Versuchsreihe begonnen. Kernpunkt ihrer Untersuchungen: Führt der Einsatz wechselnder Spielzeuge schon im Ferkelalter dazu, dass später im Mastbereich die Anzahl der Verletzungen zurückgeht? Um das herauszufinden, haben die Nachwuchsforscher 108 Tage lang die Anzahl und Schwere der Blessuren dokumentiert. Diese Resultate haben sie mit zwei „Kontrollgruppen“ verglichen, die jeweils nur über ein gleichbleibendes Spielzeug verfügten. Fazit: Sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere der Verletzungen waren in den Buchten mit der von den Schülern entwickelten Maschine deutlich geringer als in den „monotonen Spielgruppen“. Mit dem Einsatz ihrer Versuchseinrichtung bei Ferkeln haben sie frühzeitig Einfluss auf mögliche Verhaltensstörungen genommen, die zu Kannibalismus führen können. Das haben sie durch positive Ergebnisse im Mastbereich belegt: Dort haben sie die Wechsel-Maschine wieder durch ein gleichbleibendes Spielzeug ersetzt – aufgrund der frühzeitigen „Erziehung“ sind die Schweine dennoch nicht wieder vermehrt in kannibalistische Verhaltensweisen zurückgefallen. Somit können Opp, Kreilaus und Merkel mit ihrer Erfindung einen Beitrag zu besseren Mastbedingungen im Schweinestall leisten.

Ihre Arbeit hat auch die Jury beim Regionalwettbewerb in Koblenz überzeugt: Trotz der großen Leistungsdichte im Fachbereich Arbeitswelt – insgesamt 76 Projekte sind vorgestellt worden – hat das WEG-Trio am Ende den ersten Platz belegt. Besonders gelobt haben die Jury die umfangreichen Untersuchungen und die hervorragende Präsentation. Neben der Teilnahme am Landesfinale im April bei der BASF in Ludwigshafen haben die drei Schüler noch den Sonderpreis der Online-Zeitschrift Papermint erhalten. Neben einer Geldprämie erhalten sie damit die Berechtigung, ihre Forschungsergebnisse in der Zeitschrift zu veröffentlichen.

Nicht minder überzeugend war der Auftritt von Pascal Grabowsky und Nils Stumpf beim Regionalwettbewerb von Schüler experimentieren in Landau: Die Neuntklässler haben mit dem Thema „Neue Möbel – leicht und stabil“ den Sieg in der Kategorie Arbeitswelt errungen und sich für den Landesentscheid im Mai bei Böhringer in Ingelheim qualifiziert. Ausgangspunkt für die 15-Jährigen war die Feststellung, dass aus massiven Holzplatten gefertigte Möbel zwar stabil, aber recht schwer sind. Zudem werden häufig Spanplatten verwendet, die Leim- und Klebstoffe enthalten und daher „gesundheitsschädliche Ausdünstungen“ abgeben. Die Idee der Schüler: leichtere, aber dennoch stabile Möbel aus natürlichen Stoffen zu bauen. Dazu haben sie eine Anleihe aus der Natur genommen: Sowohl das Seerosenblatt als auch die Bienenwabe bestehen aus einer sehr stabilen Wabenform mit fünf beziehungsweise sechs Ecken. Diese Formen hat das Duo zunächst aus Papier gebastelt, die Ergebnisse analysiert und dann auf das Bauen von Möbeln aus Holzplatten übertragen. Dabei hat sich eine Sandwich-Konstruktion aus zwei dünnen Holzfurnierbrettern ergeben, zwischen denen eine Anfertigung aus Pappkarton in Wabenform für die nötige Stabilität sorgt. Der dafür verwendete Kleber sollte aus natürlichen und damit umweltfreundlichen Stoffen bestehen – das wird aber Gegenstand künftiger Forschungen der beiden Schüler sein, die sich mit ihrem souveränen und fachlich fundierten Vortrag gegen große Konkurrenz durchgesetzt haben.

Zwar knapp am Landesfinale gescheitert, aber dennoch einen hervorragenden Eindruck hinterlassen haben Julian Kroll und Johannes Pöhls bei Jugend forscht in der Sparte Geo- und Raumwissenschaften: Die Präsentation ihres Themas „Alternativen zu Torf als Pflanzenerdezusatz zur Erhaltung des Ökosystems Moor“ haben die Juroren beim Regionalwettbewerb in Bitburg auf Platz zwei gesetzt. Ausgangspunkt für ihre Forschungen war eine Diskussion mit einem Mitschüler, der sich über den exzessiven Verbrauch von Torf geärgert hatte. Bei ihren folgenden Recherchen haben die Zehntklässler herausgefunden, dass die Moore, in denen Torf gestochen wird, „ein einzigartiges und von der Vernichtung bedrohtes Ökosystem“ sind. Um zu dessen Schutz beizutragen, haben sie nach Alternativen zu Torf im Gartenbau geforscht. Dazu haben sie verschiedene Zusatzstoffe zu Erdproben gemischt und anschließend in Pflanzversuchen die chemischen und physikalischen Eigenschaften sowie die Eignung dieser Proben untersucht. Auf diese Weise haben die beiden 16-Jährigen gute Ersatzmöglichkeiten gefunden – die vielversprechenden Blumenerde-Mischungen können jetzt im Frühjahr im Garten getestet werden ... (kra)

Quelle

Ausgabe

Die Rheinpfalz - Donnersberger Rundschau - Nr. 60

Datum

Mittwoch, den 12. März 2014

Seite

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