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Archiv - Neues

30.01.2015

Studentische Ideen zur Innenentwicklung vorgestellt


Ideen zur Ortskernsanierung von Studenten vorgestellt

Arbeitsgruppen der Fachrichtung Raum- und Umweltplanung an der Technischen Universität (TU) in Kaiserslautern stellten am Mittwoch ihre Arbeiten zum Thema „Stadtentwicklung im Ländlichen Raum“ vor. Dabei dienten der Ortskern von Winnweiler und der historische Kern von Hochstein die Basis. 80 Personen wohnten der Präsentation bei, die unter Beachtung aktueller und drohender Leerstände verfasst wurde.
Die Chancen einer Verbesserung unter dem Einsatz öffentlicher Mittel sollten genutzt werden, betonte Ortsbürgermeister Rudolf Jacob (CDU) in seinen Begrüßungsworten in der Festhalle. Die Studentinnen und Studenten geben Denkanstöße und Ideen für eine Verbesserung der Attraktivität in Winnweiler und Hochstein. Er machte aber auch deutlich, dass die Vorschläge keine Grundlage für die Entscheidungsgremien darstellen. Soweit es sich um Privatgrundstücke handelt, haben die Eigentümer das Recht der Bestimmung über ihren Besitz. Die Studierenden zeigen bauliche Möglichkeiten für Sanierungen und Umgestaltungen auf ohne dass es dabei einen Eingriff in die Grundstücke ohne Einwilligung der Verfügungsberechtigten komme, so der Ortsbürgermeister. Die Ortsgemeinde Winnweiler habe noch Optionen, weitere Neubaugebiete zu erschließen. In den Gremien sei man sich aber einig, dass eine weitere Ausdehnung zu weiteren Leerständen führe. Deshalb habe man sich dazu ausgesprochen, den innerörtlichen Raum zu stärken.
Karl Ziegler, der begleitende Professor an der Kaiserslauterer Universität sieht auch in der Dorfentwicklung große Aufgabenfelder im Hinblick auf den demographischen Wandel, also dem Rückgang der Bevölkerung. Sein Resümee aus vielen Erhebungen und Beobachtungen ist, dass in Neubaugebieten kaum Wohnungen leer stehen. Das Problem ergebe sich hauptsächlich in Ortskernen mit überalterten Gebäuden. Erläutert hat er auch, dass trotz Bevölkerungsrückgang seit 2002 die Zahl der Wohnungen ständig ansteigt. Auch dies führe zu einem Überschuss an Wohnbedarf. Zwischen der Entwicklung der Einwohnerzahlen und der Gebäudeentwicklung ginge die Schere immer weiter auseinander, so Ziegler. Der Rückgang der Menschen in einer Gemeinde bedeute zugleich eine Verringerung der Kaufkraft.
Er verwies auf Nachfrage aber auch darauf, dass bei all diesen statistischen Erhebungen die rund 350 nicht meldepflichtigen NATO-Angehörigen, die in Winnweiler wohnen, nicht berücksichtigt sind.


Die Studentinnen und Studenten haben in Gruppen acht Teilbereiche näher beleuchtet und ihre Ermittlungen, Erkenntnisse und Zielsetzungen vorgestellt. Wesentlich dabei waren die Bestandsaufnahme mit einer Altersstruktur und Belegungsdichte sowie der Gebäudenutzung. Dazu haben sie einen Zielplan erstellt, auf dem Konzepte zur Verbesserung der Wohnqualität aufgebaut werden können. Dabei haben sie kostenintensive, aber auch kostengünstige Entwürfe vorgestellt. Teuer ist grundsätzlich der Abriss von Gebäuden, billiger dagegen die Sanierung der Bausubstanzen. Der erwähnte Abriss von Gebäuden bezog sich teils auf veralterte Nebengebäude oder in Einzelfälle auf nicht mehr bewohnte, schon fast baufällige Bauwerke. Dadurch könnten Verkehrswege ausgeweitet und damit gegenseitig befahrbar gemacht werden. Ein weiterer Vorteil wäre die Erhöhung der Lichtdurchlässigkeit. Auf den Freiflächen könnten zudem private Parkmöglichkeiten geschaffen werden.
“Das Wohnen im Ortskern wird auf Dauer gesehen an Bedeutung gewinnen“, sagte Ziegler und verwies auf die studentische Ausarbeitung im Bezug auf die Schlossstraße und die Neugasse. Allerdings könne eine solche Planung nur durch eine Bodenordnung umgesetzt werden. Als ein Beispiel nannte die dafür eingesetzte Arbeitsgruppe das Gelände der ehemaligen Gärtnerei in der Schlossstraße von Winnweiler. Dort sei eine gestalterische Aufwertung mit einfachen Mitteln möglich wie auch ein Zugang zum Lohnsbach für die gesamte Bevölkerung. Infrastrukturell ist das etwa 2000 Quadratmeter große Gelände sehr gut angebunden. Vorgeschlagen wurde die Errichtung eines Gastronomiebetriebes mit einer Außenbestuhlung und die Anlegung eines öffentlichen Bewegungsplatzes. Über den Lohnsbach sei ein Steg denkbar und dahinter eine weitere Bebauung. Der Blick auf die Kirchengebäude und auf die angrenzenden Kleingärten sollte auf jeden Fall freigehalten werden. In einer Kostenanalyse kamen die Studenten auf eine Investitionssumme von rund 1,73 Millionen Euro.
Ein Objekt, das eine Studentengruppe unter die Lupe nahm, war das ehemalige Katasteramt, das sich noch immer im Eigentum des Landes befindet. Denkbar wäre eine Umnutzung und die Schaffung von Verwaltungseinheiten und Wohnungen. Möglichkeiten einer baulichen Erweiterung sind ebenso gegeben wie die Er
richtung von sechs Garagen. Allerdings wird die Umsetzung auch richtig Geld kosten. Nach einer Wirtschaftlichkeitsberechnung fallen rund 1,54 Millionen Euro dafür an.
Eine große Baustelle ist die Kupferschmelz zwischen Winnweiler und Hochstein. Dort besteht um ein denkmalgeschütztes Gebäude ein großer Sanierungsbedarf. Die kalkulierten Kosten liegen bei rund
sieben Millionen Euro. Für dieses Gebiet sei eine totale Überplanung zur Entwicklung einer Mischnutzung angebracht. Die Erschließung der Gewerbeflächen gehen durch das Wohngebiet. Deshalb müsse es sich bei der Ansiedlung um ein „verträgliches Gewerbe“ handeln. Abzuschließen ist die angegangene Altlastensanierung und sowohl zur Bundesstraße als auch zur Bahnlinie hin ist ein Lärmschutz zu installieren.
“Im historischen Bereich von Hochstein sind relativ viele leerstehende Ge­bäude“, so die mit diesem Teil beauftragte Studentengruppe. Verschiedene Gebäude sind total veraltert und nicht mehr genutzt. Soweit Übereinkunft mit den Eigentümern erzielt werden kann, sollten sie abgerissen und das Grundstück einer ordentlichen Nutzung zugeführt werden. So könnten Einmündungsbereiche ebenso sicherer gestaltet werden wie auch andere Engpässe. Angeregt wurde, kleinere, aneinander gebaute Gebäude baulich zu vereinen. 

Zahlen und Fakten


Grundlage für die Präsentation des Ortskerns von Winnweiler und des historischen Teils von Hochstein waren neben den Erhebungen der Studentinnen und Studenten der Technischen Universität Kaiserslautern auch die Ergebnisse der Zensus-Umfange aus dem Jahr 2011 und deren Fortschreibung. Landesweit liegt demnach die Leerstandsquote bei 4,5 Prozent. In der Verbandsgemeinde Winnweiler liegt diese Quote bei 6,3 Prozent und in Winnweiler bei sieben Prozent. Daten hierüber gab es auch für die weiteren verbandsangehörigen Ortsgemeinden. Sie beträgt in Schweisweiler 3,1 Prozent, Börrstadt 3,5 Prozent, Lohnsfeld und Steinbach vier Prozent, Höringen 4,1 Prozent, Wartenberg-Rohrbach 5,3 Prozent, Münchweiler 5,8 Prozent, Sippersfeld, 6,5 Prozent, Imsbach 8,5 Prozent, Gonbach 9,6 Prozent, Breunigweiler 10,3 Prozent und in Falkenstein elf Prozent.
Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Wohngebäude in Winnweiler um 169 oder um 12,4 Prozent auf 1537 Einheiten angestiegen. In der Verbandsgemeinde lag der Anstieg bei 13,9 Prozent und auf Kreisebene bei 8,7 Prozent. Einen Anstieg gab es vergleichbar zum Kreisergebnis bei den Wohnungen. Sie stiegen um sieben 7,1 Prozent oder 150 Wohnungen auf 2256 Wohnungen während beim Landkreis ein Anstieg von sieben Prozent zu verzeichnen ist. Damit liegen beide Werte unter dem Anstieg in der Verbandsgemeinde, der bei 9,9 Prozent liegt. Entgegen dem Kreistrend und der Entwicklung auf Verbandsgemeindeebene hat sich die Einwohnerzahl von Winnweiler verändert. Die Zahl der Einwohner stieg um 45 Menschen auf 4679 Personen. Rückgänge um 4,1 Prozent gab es auf Kreisebene und um 3,3 Prozent auf 13.097 Personen in der Verbandsgemeinde Winnweiler. Prognosen zur Einwohnerentwicklung gibt es nur auf Verbandsgemeindeebene. Dort wird ein Rückgang bis ins Jahr 2030 um etwas mehr als zwölf Prozent auf 11.518 Einwohner prognostiziert, so Ziegler.
In all diesen Erhebungen sind die rund 900 in der Verbandsgemeinde Winnweiler lebenden Angehörigen der NATO-Streitkräfte nicht enthalten.
“Das Wohnflächenangebot wächst schneller als der Bedarf durch Steigerung der Wohnfläche pro Person“, umschreibt der Professor für Raum- und Umweltplanung an der Technischen Universität in Kaiserslautern die Entwicklung von Winnweiler mit seinem Ortsteil Hochstein. In der Ortsgemeinde Winnweiler gibt es nach den Ausarbeitungen ein Überangebot von rund 14.000 Quadratmeter Wohnfläche. Umgerechnet bedeutet dies 105 Einfamilienhäuser oder 140 Wohnungen in Mehrfamilienhäuser. Dies bedeute nicht, dass diese Anzahl von Häuser oder Wohnungen leer stehe. Viele dieser Objekte sind statistisch unterbelegt.
Vor der Präsentation seiner Studenten nannte er einige Eckpfeiler für eine geordnete Bebauung und seine Eindrücke. Die Leerstände und Brachen verschandeln das Ortsbild ebenso wie die zum Teil schlechten Bausubstanzen. Kleine Grundstücke mit großen Bauvolumen ermöglichen kein Grün und keine privaten Abstellplätze für die Fahrzeuge der Bewohner. Er konnte aber auch eine gesteigerte Gestaltsqualität im öffentlichen Raum vorfinden. Hochwertige Einzelobjekte zeichnen sich aus durch ihre Oberflächen und Möblierung, aber auch die Begrünung im Umfeld.