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Archiv - Neues

22.05.2012 Kategorie: Neues

Sonderausstellung im Museum


Erinnerungen an Wohnkultur von anno dazumal

WINNWEILER: Ausstellung „Trautes Heim - Glück allein” im Jüdischen Museum eröffnet - Großes Interesse an Blick in die Vergangenheit


„Eine Ausstellung von kulturhistorischem und volkskundlichem Wert” nannte Museumsleiter Werner Rasche das, was unter dem Motto „Trautes Heim - Glück allein” seit Samstag im Jüdischen Museum in Winnweiler zu bewundern ist. Denn die vielen Ausstellungsstücke spiegeln auf beeindruckende Weise das Leben und die Wohnkultur der Menschen am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts wider.


Der Besucherandrang zur Vernissage verriet das große Interesse, das dieser Blick in die Vergangenheit weckt. Den Initiatorinnen Maria Leister, Lotte Wadehn und Petra Hilge-Müller gebührt Dank dafür, dass sie diese Erinnerungen nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Allein mehr als 60 „Überhandtücher” - unter denen früher Hand- und Geschirrtücher „versteckt” wurden - und so genannte „Wandschoner”, die gern hinter dem Kanapee aufgehängt wurden, sind zu bewundern.


Es ist die Ausbeute ungezählter Streifzüge, die Maria Leister seit 30 Jahren über Floh- und Antikmärkte in der ganzen Pfalz unternimmt - und alle Tücher sind bestickt mit heiteren oder ernsten Sinnsprüchen. Die ältesten und wertvollsten Stücke sind diejenigen mit Monogrammstickerei, einer sehr arbeitsintensiven und aufwändigen Technik, die später mehr und mehr durch einfacheren Platt- und Stielstich sowie danach durch Kreuzstich ersetzt wurde.


Besonders die „Küchensprüche” ließen die Besucher schmunzeln über die Gefühlswelt der Hausfrauen von anno dazumal, die ihre Gedanken mit Nadel und Stickgarn in ein Stück Leinen gestichelt haben. Die „Haus- und Segenssprüche” dagegen zeugen von der tiefen Frömmigkeit besonders der ländlichen Bevölkerung - teilweise handelt es sich dabei um „gestickte” Gebete.


Lotte Wadehn hat einen ganzen Schrank voller Aussteuerwäsche zur Ausstellung beigesteuert. Sauber gestapelt und von bunten Bändchen zusammengehalten wird beispielsweise der Stolz einer jungen Braut vor hundert Jahren präsentiert. Ob Bett-, Tisch- oder Leibwäsche: kein Stück ist ohne das Monogramm seiner Besitzerin, die mit zierlichen Spitzenkäntchen verzierten Borde weisen auf den Inhalt hin: „Auf duft'gem Linnen, so weiss wie Schnee, verträumt sich so manches Ach und Weh.”


Auch in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und bis in die 60er Jahre hinein griffen die Frauen noch gern zu Nadel und Stickgarn, wovon einige Kissenhüllen im Museum zeugen. Interessanterweise sind diese mit Schlagertexten bestickt. Da blühen dann „Weiße Rosen aus Athen”, ist die Aufforderung „Steig in das Traumboot der Liebe” oder der inständige Wunsch „Sag doch nicht immer Dicke zu mir!” zu lesen.


Ergänzt wird die nostalgische Reise in die Vergangenheit mit liebevoll zusammengestellten Utensilien aus dem täglichen Leben unserer Vorfahren, wofür besonders Petra Hilge-Müller ein „Händchen” hat. Historische Puppen aus Frankreich (samt eigenem Handarbeitskörbchen), bestickte Behältnisse für steife Herrenkragen, Taschentücher oder Handschuhe für die Dame, eine komplette Ausstattung für die Reise, Koffer mit Reisedecke (natürlich im bestickten Futteral), Hut und Schirm, Fotoapparat, Fernglas und Landkarte - alles atmet Geschichte. Mag auch, vor allem von jüngeren Besuchern, so manches Relikt aus der Vergangenheit belächelt werden - einige der in vielen tausend Nadelstichen verewigten Lebensweisheiten haben bis heute Gültigkeit, wie beispielsweise jener Spruch: „Geh nicht im Zorn von deines Hauses Herd, da mancher ging, und nie zurückgekehrt.”


Maria Leister gab mit viel Sachverstand und spürbarer Hingabe eine kurze Einführung in die Ausstellung, die es wert ist, gesehen zu werden - auch mehrmals. (rm)


Info


Die Ausstellung „Trautes Heim - Glück allein” ist an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat zu den regulären Öffnungszeiten von 14.30 bis 17.30 Uhr im Jüdischen Museum Winnweiler zu sehen.

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe: Nr.113
Datum: Dienstag, den 15. Mai 2012
Seite: Nr.15
"Deep-Link"-Referenznummer: '8988733'