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Archiv - Neues

07.10.2013 Kategorie: Neues

Seit 50 Jahren erstmals Oktobermarkt erstmals wieder mit Straußborsch


Tüten mit „roter Erde“ zum Gedenken an Hartplatz

 

WINNWEILER: Oktobermarkt-Umzug mit rund 40 „Nummern“ und vielen einfallsreichen Motiven – Das Wetter hält – Turnverein stellt wieder die meisten Gruppen

 


Viele Winnweilerer haben gestern Vormittag sorgenvoll gen Himmel geblickt: trübe Wolken, Nieselregen – ein goldener Herbstsonntag sieht anders aus. Pünktlich zu Beginn des Oktobermarkt-Umzugs hatte der Wettergott dann aber doch ein Einsehen. Und so konnten die Zuschauer im gut besuchten Ortskern die mitgenommenen Regenschirme getrost eingeklappt lassen – damit hatten sie beide Hände frei, um jede Menge Süßigkeiten fangen zu können. Denn davon gab es bei dem farbenfrohen Lindwurm mit insgesamt rund 40 „Nummern“ reichlich.Vor allem den Teilnehmern einer Umzugs-Gruppe ist die Erleichterung über den Regen-Stopp deutlich ins Gesicht geschrieben gewesen: Erstmals seit einem halben Jahrhundert zogen wieder „Winnwillerer Straußborsch“ beim Oktobermarkt durch die Gassen – so lange hatte es in dem rund 4700 Einwohner zählenden Ort keine entsprechende Gemeinschaft mehr gegeben. Im „Knibbeln“ und Stimmung machen brauchen sich die Jungen und Mädchen jedoch nicht vor den erfahreneren Kerweborsch aus den Nachbargemeinden zu verstecken. Rund 70.000 bunte Bändchen zählte der fünfeinhalb Meter lange Strauß, der erfreulicherweise trocken geblieben und im Anschluss an den Umzug feierlich an der Hauswand der Gaststätte „Zum Donnersberg“ aufgehängt worden ist.Zuvor hatten die Zuschauer am Straßenrand zahlreiche einfallsreiche Motive zu Gesicht bekommen. Allen voran vom Turnverein Winnweiler, der nicht nur traditionell die meisten Gruppen stellte, sondern auch mit ausgefallenen Kostümideen begeisterte. So feierten die Montagsturner ihr 60-jähriges Bestehen als mit Blättern und Tannenzapfen getarnte Waldmenschen, furchteinflößende Hexen oder „Urgestein“-Jägern vom Donnersberg. Der Nachwuchs hingegen, die fünf bis acht Jahre alten Turnermädchen, grüßten als quietschgrüne Außerirdische die Nordpfalz. Apropos außerirdisch: So mag wohl auch so manchem Vierbeiner des Schäferhundevereins Winnweiler und des Vereins der Hundefreunde Rodenbach der ungewöhnliche „Gassi-Weg“ vorbei an so vielen Menschen vorgekommen sein. Kein Wunder, dass es sich ein gemütlicher Artgenosse zu Beginn des Umzugs auf seinen vier Pfoten bequem gemacht und auf diese Weise zur Belustigung der Zuschauer für einen kleinen Stau gesorgt hatte. Augenzwinkernder Kommentar einer Besucherin: „Sollnse ne doch in de Bollerwage hocke.“

 


Mit detailverliebten Modellen ihres Gotteshauses und der Kapelle feierte die katholische Kirchengemeinde „100 Jahre Herz-Jesu-Kirche“ – die Teilnehmer schwenkten einen überdimensionalen Weihrauchkessel. Die Frauenmannschaft des ASV Winnweiler trugen den alten Hartplatz zu Grabe, der durch einen Kunstrasen ersetzt wird. Damit das alte Gelände dennoch in Erinnerung bleibt, verteilten die Spielerinnen kleine Tüten mit original „roter Erde“, auf der immerhin 83 Jahre lang gekickt worden war.

 


Trauerstimmung ist gestern dennoch nicht aufgekommen. Dafür sorgten nicht zuletzt die Sängervereinigung Winnweiler sowie die Musikvereine aus Winnweiler, Dörnbach und Niederkirchen. Deren Blasinstrumente waren (mindestens) genau so gut geölt wie die Kehle von Pascal Bäcker, der im Anschluss an den Umzug für eine Premiere sorgte: Er hat die erste „Winnwillerer Kerweredd“ seit 50 Jahren vorgetragen. „So viele Leute habe ich noch nie an unserer Kerb gesehen“, sagte der 19-Jährige sichtlich stolz, aber mit heiserer Stimme im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Ein Grund und Ansporn mehr, nicht noch mal ein halbes Jahrhundert zu warten. Bäcker: „Wir wollen auf jeden Fall weitermachen. Nächstes Jahr sind wir wieder am Start.“Die TeilnehmerFeuerwehr Winnweiler, Straußjugend Winnweiler, Musikverein Dörnbach, Werbegemeinschaft Winnweiler, Rainbow & Geschenkvitrine, Schäferhundeverein Winnweiler, Hochsteiner-Boule-Club, katholische Kirchengemeinde Winnweiler, katholische Kindertagesstätte St. Dominikus, T.Ü.K.G. GmbH, KFZ-Technik-Kroll, Musikverein Winnweiler, SG Schweisweiler, Thomas Spenger, VdH Rodenbach Zughundesportler, Trillerclub Imsbach, Joachim Schmitt, Freundeskreis Winnweiler – St. Laurent-Nouan, TSC Schwarz-Gelb Winnweiler, Michael Maekelborger, Sängervereinigung Winnweiler, Turnverein Winnweiler, Harry Rubel, Dorfgemeinschaft Potzbach-Leithöfe, Musikverein Niederkirchen, Straußjugend Höringen, ASV Winnweiler. (cnp)

 

Zur Sache: Wiedergeburt der Winnweilerer Straußborsch nach 50 Jahren

 


Was für eine Wiedergeburt: Erstmals seit 50 Jahren gibt es in Winnweiler wieder Straußborsch. Während die Einwohner so mancher Nordpfälzer Gemeinde angesichts des fehlenden Nachwuchses um die Zukunft ihrer Dorf-Kerwen bangen, haben 13 junge Winnweilerer zum Oktobermarkt die Straußborsch-Tradition ihres Ortes nach Jahrzehnten aufleben lassen. Wie war das möglich?Alles begann mit einem Zeitungsinserat. Im Juni dieses Jahres, kurz vor dem Johannismarkt-Wochenende, suchte Andreas Lauer nach jungen Menschen, die Interesse an einer Wiederbelebung der „Winnwillerer Straußborsch“ hätten. Die Idee dazu spukte ihm schon seit einigen Jahren im Kopf herum. Zwar richtet die Ortsgemeinde Winnweiler jedes Jahr einen Oktobermarkt aus, allerdings seit Jahrzehnten ohne Straußborsch. Anfang der 1960er Jahre soll es letztmals eine entsprechende Gruppe junger Menschen gegeben haben. Für Lauer höchste Zeit, die Initiative zu ergreifen. „Das Wir-Gefühl im Ort soll wieder stärker werden“, schildert der 45-Jährige im Gespräch mit der RHEINPFALZ seine Motivation.

 


Und tatsächlich – das Inserat erfüllte seinen Zweck. Die Aktion sprach sich herum. Schnell waren genügend junge Leute gefunden. Der ehrgeizige Plan: Nach 50 Jahren sollte es pünktlich zum Oktobermarkt 2013 wieder eine echte Straußborsch-Gemeinschaft in Winnweiler geben, inklusive Rede, Strauß und eigenem Umzugswagen – eben ganz so, wie die Kerwe-Tradition in vielen Nordpfälzer Gemeinden bis heute vorgelebt wird.

 


Dass die Straußborsch um Organisator Lauer und Kerweredner Pascal Bäcker am Wochenende all diese Ziele erreicht haben, ist angesichts der kurzen Vorbereitungszeit von wenigen Monaten umso bemerkenswerter. Lauer: „In den letzten drei Wochen haben wir uns fast jeden Tag getroffen.“ Klar, dass die Wiedergeburt der „Winnwillerer Straußborsch“ in den vergangenen Tagen nicht nur zünftig gefeiert worden ist, sondern auch jede Menge lobende Worte gefunden hat: „Toll, dass sich die Leute ehrenamtlich engagieren“, sagte Ortsbürgermeister Rudolf Jacob, „ich hoffe aber, dass das keine Eintagsfliege ist, sondern sich etabliert“. Spätestens beim Oktobermarkt im nächsten Jahr wird sich zeigen, ob diese Hoffnung in Erfüllung gegangen ist. (cnp)

 

 

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe: Nr.232
Datum: Montag, den 07. Oktober 2013
Seite: Nr.23
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_15062572'