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Archiv - Neues

21.02.2011 Kategorie: Neues

Ohne Parteibuch und immer per Sie


WINNWEILER: Die 63-jährige Rita Wilding war seit der Gründung der Verbandsgemeinde im Jahr 1972 Sekretärin der VG-Bürgermeister.Ob Josef Hoffmann, Peter Schulz oder Rudolf Jacob - ihre Chefs wussten alle, was sie an der gebürtigen Winnweilererin haben.Ihre Kollegen und die Bürger auch. Nun geht Rita Wilding in den Vorruhestand. Und was kommt dann?

An ihrem letzten Arbeitstag in der Winnweilerer VG-Verwaltung gibt es auf keinen Fall eine Abschiedsfeier. Das hat sich Rita Wilding so gewünscht, weil „mir das kolossal schwer fallen" würde. Sie macht halt seit fast 50 Jahren mit viel Herz ihre Arbeit und hat keine Lust, ihren letzten Arbeitstag mit Tränen verquollenen Augen zu bestreiten. Und noch eine - von den Kollegen belächelte - Bitte wird ihr gewährt: Die Sekretärin muss an dem Tag ihre Türschlüssel nicht abgeben. „Das hat so was Endgültiges", sagt Rita Wilding, die es nicht glauben kann, dass sie fast fünf Jahrzehnte in der Winnweilerer Verwaltung tätig gewesen ist.


Ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachkraft hat sie im Jahr 1962 in Winnweiler begonnen. Damals noch im Bürgermeisteramt. Ihr Aufgabenbereich war da schon - wie damals in allen Ämtern üblich - äußerst umfangreich. So musste sie morgens als erstes das Feuer im Holzofen anzünden. Für ein so junges Mädel gar nicht so einfach. Da ist es schon mal vorgekommen, dass das Büro zugequalmt war. Nach ein paar „Anzünd-Lehrstunden" am heimischen Ofen hat sie aber auch das problemlos erledigt. Wie so vieles andere auch, was dann noch kommen sollte. Alle ihre Chefs - seit 1972 war Rita Wilding Sekretärin im Vorzimmer des Winnweilerer VG-Bürgermeisters - haben ihr Engagement, aber auch ihre Loyalität geschätzt.


Egal, ob die Bürgermeister der CDU (Hoffmann, Jacob) oder der SPD (Schulz) angehört haben. Ihr ging es immer um die Arbeit, nicht um Parteipolitik. Für die Bürgermeister war sie ja gerade deshalb immer eine Person ihres Vertrauens. Zwar ist es gerade in der Anfangszeit hin und wieder vorgekommen, dass sie jemand „aus der zweiten Reihe" angesprochen hat, ob sie nicht dieser oder jener politischen Gruppierung beitreten wolle. Doch da blieb sie ihrer unpolitischen Linie treu: „Sobald mir jemand eine Beitrittserklärung auf den Tisch legt, gehe ich." Klar, dass auch die Bürgermeister darauf geachtet haben, dass dies nicht passiert.


Ein weiterer ihrer ehernen Grundsätze: Mit dem Chef ist sie immer per Sie. Das war mit Peter Schulz während seiner 26-jährigen Amtszeit genau so wie mit seinem Nachfolger Rudolf Jacob, der ja zuvor ein „normaler" Kollege von Rita Wilding in der VG-Verwaltung war. „Wenn das altmodisch ist - bitte, dann bin ich halt altmodisch. Aber für mich gehört es sich einfach, den Chef als Respektsperson zu behandeln und per Sie anzusprechen." Sie muss da auch immer an ihren langjährigen, inzwischen verstorbenen Kollegen Walter Bäuml denken. Der hat immer betont, dass sich ein Schimpfwort leichter hinter einem Du als hinter einem Sie sagen lässt. Klar, dass „de Bäuml Walter" das mit einem konkreten - hier jedoch nicht zitierfähigen - Beispiel verdeutlicht hat. Bäuml hatte immer für gute Laune gesorgt, hatte in der Beziehung Narrenfreiheit, erinnert sich Wilding etwas wehmütig an die gute alte Zeit. Wenn zum Beispiel der Schrottsammler auf der Straße „Lumpe, alt Eise" gerufen hat, hat er den Kollegen und Kolleginnen geraten, sich schnell zu verstecken - damit der Schrotthändler sie nicht mitnimmt...


War Bäuml immer derjenige, der für etwas Aufheiterung sorgte, war Rita Wilding der ruhende Pol, gerade wenn die Hektik am größten war. Und auch direkte Ansprechpartnerin für viele Winnweilerer Bürger. Mehr als einmal ist sie auf ihrem Fußweg von ihrem Zuhause zum Rathaus angesprochen worden, ob sie nicht den beantragten Personalausweis oder ein paar Mülltüten mitbringen könnte. Auch das hat sie dann erledigt. Denn sie hat immer gerne gearbeitet. Mit ganz, ganz wenigen Fehltagen während ihrer bald 50-jährigen Tätigkeit. Immer als Vollzeitkraft. Eine Aufsplittung ihres Postens in zwei Stellen mache auch keinen Sinn, weil man da immer voll hinter seiner Arbeit stehen muss. Halbe Sachen macht sie nicht.


Das gilt auch für ihre Freizeit. Seit Jahrzehnten im Turnverein Winnweiler aktiv, wird sie sich nach ihrem Eintritt in die Vorruhestandsphase wohl nicht verweigern, beim TV Verantwortung zu übernehmen, wenn das die Mitglieder wollen. Außerdem hat sie sich vorgenommen, mehr Zeit mit den Enkeln zu verbringen. Und sich selbst auch etwas mehr zu gönnen. Sei es beim Schwimmen, Nordic-Walking oder der Gymnastik. Oder beim Reisen. Denn sie bezeichnet sich selbst als Reisetante. Städtereisen und das Erkunden fremder Länder haben es der gebürtigen Winnweilererin angetan. Den Traum von einem Seychellen-Urlaub hat sie sich aber noch nicht erfüllen können. Vielleicht klappt"s ja nach dem 1. März, wenn ihre Altersteilzeit ganz offiziell beginnt. Am 1. Mai 2012 ist Rita Wilding aber gewiss nicht in der Karibik. Denn dann feiert sie ihr 50. Dienstjubiläum mit vielen ihrer ehemaligen Kollegen und Chefs bei einem Grillfest in Winnweiler. Für das 50. gibt"s übrigens keine Extra-Vergütung mehr - die Gewerkschaft und der oberste Dienstherr in Mainz sind wohl in ihren Tarifverhandlungen davon ausgegangen, dass heutzutage niemand mehr ein solch langjähriges Jubiläum feiert...

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe: Nr.32
Datum: Dienstag, den 08. Februar 2011