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Archiv - Neues

05.07.2016 Kategorie: Neues

Mittelaltermarkt stößt auf tolle Resonanz


Mittelalterliche Klänge eine Gruppe aus Italien unterhielten die Gäste

Zahlreiche Gäste aus nah und fern genossen das außergewöhnliche Flair in der Parkanlage

Auch für die kleinen Mittelalterfans wurde Einiges geboten

Hochwertige Handwerkskunst konnte bestaunt werden Markt

Das passende Gewand durfte natürlich auch nicht fehlen

Um etliche Zeitepochen zurück versetzt fühlten sich an diesem Wochenende die Besucher beim Mittelaltermarkt in Winnweiler. Hinter der Sparkasse und im Park herrschte drei Tage lang ein ganz anderes Treiben. Unzählige Aktive sorgten für ein stimmungsvolles und abwechslungsreiches Bild, die Lagerstätte war bis auf den letzten Platz gefüllt und reges Handeln herrschte in der Einkaufsmeile.

Veranstalter war eine Interessengemeinschaft, die zehn Jahre lang ausschließlich im südpfälzischen Kirrweiler einen Mittelaltermarkt ausrichtete. Seit diesem Jahr sind die rund 150 Aktiven auch an anderen Orten in der Pfalz unterwegs. So in der Domstadt Speyer und jetzt in Winnweiler. Über private Kontakte kam die Interessengemeinschaft an Winnweiler, das in diesem Jahr die erste urkundliche Erwähnung vor 1125 Jahren feiert.
Ein solcher Markt passe in das Jubiläumsjahr, dachte sich Ortsbürgermeister Rudolf Jacob und nahm Kontakt zu den Verantwortlichen auf. Da lag es nahe, eine Gedenkmünze zu prägen, die nun zum Kauf angeboten wurde. Sie zeigt das Winnweilerer Wappen mit den Jahreszahlen 891 und 2016 und auf die Rückseite die beiden Kirchen als Symbole von Winnweiler.
Fast den ganzen Tag über wechselten sich musikalische Beiträge und Aufführungen von Gauklern ab. Entsprechend dem Mittelalter nicht nur die Instrumente, sondern auch der Gesang. Nach einer 13-stündigen Autofahrt kam eine Gruppe aus Italien in der Nordpfalz an, packte ihre Instrumente aus und begann zu spielen. „Herbei, herbei“ schallt es über das Veranstaltungsgelände. Dort bereitet sich ein Jongleur auf seinen Auftritt vor. Während er die Fackeln mit brennbarer Flüssigkeit tränkt, pfeift er eine Telefonmelodie und spricht dazwischen immer wieder „bitte warten“. Geboten wurde ein Programm für die ganze Familie, wobei die Angebote für die Jugend einen breiten Rahmen einnahmen. Schießen mit Pfeil und Bogen war sehr gefragt beim Nachwuchs. Eine Bereicherung war der Auftritt einer Falknerin mit ihrem possierlichen Tier.
„Wir haben sehr motivierte Lagergruppen dabei“, erzählt Mitorganisatorin Nadine Baumann. Sie sind das Herzstück dieses Marktes. Mehrere Tage campieren sie in der kleinen Zeltstadt oberhalb des Parks, wo sie sich mehr als nur häuslich eingerichtet haben. Über der Feuerstätte hängt ein kleiner Kessel. Lecker riecht es im Umfeld. „Heute gibt es nur eine deftige Rindfleischsuppe“, verriet der am Kochtopf sich verweilende Koch. Die Suppe kann an diesem Abend noch verzehrt werden, der kochende Gerstensaft allerdings an diesem Wochenende noch nicht. „Wir sind noch voll in der Vorbereitung“, erzählt der Bierbrauer. Danach wird die gekochte Flüssigkeit erst noch mit Hefe angesetzt und bis zum ersten Schluck davon wird es noch zwei Wochen dauern. Verdursten müssen sie allerdings nicht, denn die Korbflaschen sind gut gefüllt.
Daneben gibt es ein reichhaltiges kulinarisches Angebot. Dazu gehört auch der Flammlachs. Ein ausgenommener und ausgebreiteter Lachs ist auf ein Brett genagelt und dies wiederum steht an der Feuerstelle. „Er wird geflammt bis er fertig ist“, erklärt der Gourmet, ein gebürtiger Franzose. Er stamme aus einer Artistenfamilie und sei Weltenbummler. Ein weiterer Leckerbissen ist der Hanffladen, gefüllt entweder mit Putenfleisch oder mit Champignons. Reichhaltig dazu die Getränke, die ebenfalls an das Mittelalter erinnern. Gerstenbräu, Rittertrank, Met und Keltentrank ist nur ein Auszug aus der umfangreichen Getränkekarte.
Schaurig läuft es so manchem Besucher über den Rücken beim Betrachten der Utensilien im Foltermuseum. Die Streckbank mit Stachelrollen konnte ebenso besichtigt werden wie der Befragungsstuhl mit seinen vielen Spitzen und aufgebaut war gleich neben dem Zelt ein Scheiterhaufen.
Gesitteter ging es beim Drechseln zu. „Ohne Strom wie im Mittelalter“ sagt der Meister, der mit Muskelkraft über ein Seil das Holz zum Drehen bringt. Den Drechselmeisel bohrt er ins Holz und schon entstehen die ersten Ringe. Kraftanstrengender ist das Arbeiten des Steinmetze. Mit Feistel und Meißel bearbeitet der Künstler den harten Stein und bildet schon nach kurzer Zeit lauter kleine Blumen.
Viel Kleidung ist bei diesem Markt zu bewundern. Baumwolle, Leinen und Leder bestimmen die Materialien. Unter den Ausstellern auch Marlene Groß aus dem benachbarten Lohnsfeld. „Alle Kleider habe ich selbst genäht“, erklärt die rührige Schneiderin. Ein dreiteiliges Mittelalter-Kleid bietet sie einer jungen Kundin an. Es besteht aus einem Grundkleid, einer Schürze und einer Tasche in Herzform. Die passende Kopfbedeckung bietet sie gleich mit an, denn die stammt auch aus ihrer Nadel. Breit ist das Angebot an Fellen, die fein aufgereiht offeriert werden. „Das waren mal glückliche Hasen“, bemerkt eine Betrachterin beim Blick auf die Auslage.
Daneben befindet sich eine Mitmach-Werkstatt für Kinder und wer sich nicht mit Nadel und Faden befassen wollte, konnte zum Schwert greifen.
Viel Bewunderung findet die Arbeit des Bürstenmachermeisters aus Karlsruhe. Mit einer gewissen Fingerfertigkeit stellt der Fachmann Bürsten und Besen aus Pflanzenfaser, Dachshaar, Schweineborsten oder Rosshaar her.