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Archiv - Neues

03.04.2013 Kategorie: Neues

Ein Kaleidoskop der Gefühle


WINNWEILER: Beeindruckende Andacht zum Thema Tod in protestantischer Kirche


Es war eine Passionsandacht der ganz besonderen Art, die rund 100 Besucher am Mittwoch in der protestantischen Kirche Winnweiler erlebt haben. Wobei der christliche Bezug vielleicht etwas zu kurz gekommen ist. Dafür wurde aber ein Thema von allen Seiten beleuchtet, das üblicherweise eher verdrängt als ans Tageslicht gebracht wird. Die Rede ist vom Tod, der über alle Zeiten und Kulturen hinweg Dichter, Musiker und bildende Künstler in seinen Bann gezogen hat.„Ein Totentanz – das Letzte kommt zum Schluss!“, lautete der Titel des poetisch-literarisch-musikalischen Abends, zu dem Pfarrerin Ute Samiec eingeladen hatte. Gestaltet wurde die Andacht von Stefanie Köhler, Professorin für Sprecherziehung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt, und dem Akkordeonspieler Frank Rosenberger, der hauptberuflich als Leiter der Schauspielmusik am hessischen Staatstheater Wiesbaden wirkt.Schlichte Klänge des von Bach vertonten Schemelli-Liedes: „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder“ leiteten die Soiree ein und gliederten die ersten Rezitationen, die bereits einen Eindruck der Vielfalt gaben, die an diesem denkwürdigen Abend die Besucher ein Gefühlskaleidoskop erleben ließen. Von eindrucksvoll-visionär, bitter-ironisch oder romantisch-verbrämt wie bei Hugo von Hofmannsthal über eine schauerliche Mär von nächtlichem Gruseltreiben auf dem Friedhof bis hin zum Lamento über den Verlust einer vertrauten Person reichte die Palette der Vorträge, in die auch das wohlbekannte Märchen vom Mädchen mit den Schwefelhölzern integriert wurde.


Mit äußerst sparsam eingesetzter Mimik und Gestik stellte sich Stefanie Köhler ganz in den Dienst des geschriebenen und von ihr gesprochenen Wortes, während Frank Rosenberger unter anderem den als Tangostar bekannt gewordenen und längst als Legende verehrten Astor Piazolla auf dem Akkordeon aufleben ließ. In breitem Vorderpfälzisch wurden philosophische Lebensmetaphern aus der Feder von Annelies Thürwächter präsentiert oder in österreichisch eingefärbtem Schmäh bitterböse Ironie genüsslich ausgebreitet.


Naiv-dümmlich kam dagegen der inszenierte Polizeifunk-Dialog – ebenfalls in breitestem alpenländischem Dialekt vorgetragen – daher, wo doch eigentlich ein Mörder gesucht wurde. Mit Wilhelm Buschs „So sind wir“ wurden schließlich respektlos-saloppe Töne angeschlagen, die ihre Fortsetzung in Hildegard Knefs lyrischer Erzählung über den versendeten Fragebogen fand: Dieser „erntete“ statt einer detailliert ausgefüllten Rücksendung nur das hier nicht zitierfähige Berlichingen-Zitat aus der Feder des deutschen Dichterfürsten. Dabei taten sich die beiden Künstler zusammen, damit zu den Akkordeonklängen ein Sprechgesang in typisch Knefscher Manier den Kirchenraum erfüllte.


Jetzt erst entlud sich die aufgebaute Spannung. Nachdem es bislang im Gotteshaus mucksmäuschenstill gewesen und das Geschehen mit größter Aufmerksamkeit verfolgt worden war, kam es nun zum Ausbruch der Emotionen. Bereits in die Pause wurde das Duo mit frenetischem Beifall entlassen. (mhz)

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe: Nr.75
Datum: Samstag, den 30. März 2013
Seite: Nr.17
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_9810711'